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Wege in und rund um den Kleingartenverein Predigtstuhl

Amtliche Bezeichnungen

Am Predigtstuhl, 16., seit 1971, Flurname. Ursprünglich hieß der ganze Wilhelminenberg inklusive des heutigen als Predigtstuhl bekannten Restes Predigtstuhl. Der Name leitet sich von den hier abgehaltenen Predigten ab. Zur Zeit der Reformation hatten Protestanten hierorts durch Predigten ihre Lehre verbreitet. Im Zuge der Gegenreformation fanden diese Zusammenkünfte ein Ende. Aus späterer Zeit sind Prozessionen „ins Gebürg“ bekannt: Bittgänge um die Wiesen und Weingärten, wobei im Gemeindewald eine Predigt gehalten wurde. Als Kanzel soll eine Eiche gedient haben, die angeblich noch 1892 zu sehen gewesen wäre.

Eselstiege, 17., Benennungsdatum unbekannt, volkstümliche Bezeichnung für eine Gegend, die um 1422 als „Eselhart hinter der Herren Als“ erwähnt wurde.

Franz-Glaser-Gasse, 17., seit 1894 (vorher Glasergasse), Franz Glaser (1822-1885), Baumeister, Bürgermeister von Dornbach (1882-1885); Anmerkung: Dornbach wurde 1894 mit Neuwaldegg und Hernals zu Wien eingemeindet. Um eine Verwechslung mit der bereits vorhandenen Glasergasse im neunten Bezirk zu vermeiden, wurde die Glasergasse in Franz-Glaser-Gasse umbenannt. Die Villen in der Franz-Glaser-Gasse 8, 10 und 12 stammen von ihm.

Jenschikweg, 17., seit 1983 (vorher nicht amtlich Hohlweg), Anton Jenschik (1884-1969), Schriftsetzer, Redakteur, 1927 an der Gründung des „Kleinen Blattes“ beteiligt, 1919-1934 Gemeinderat, Sozialdemokrat, 1934 Inhaftierung Anhaltelager Wöllersdorf, 1944 in Gestapohaft, nach 1945 im Vorwärts-Verlages tätig (zuletzt Direktor), Vorsitzender des Arbeiter-Abstinentenbundes

Oberwiedenstraße, 16. und 17., seit 1919 (ursprünglich Wilhelminenbergstraße, dann Oberwiedengasse), Flurname (Wieden oder Widem bedeutet Schenkung an eine Kirche oder an ein Kloster)

Quelle: Peter Autengruber, Lexikon der Wiener Straßennamen. Bedeutung. Herkunft. Frühere Bezeichnungen, 12. Auflage Wien 2022


Wege im Kleingartenverein (nicht amtlich)

Erich-Lieb-Platz, Erich Lieb (1947-2022), nach dem langjährigen und verdienstvollen Funktionär; Platz vor dem Vereinshaus

Gottfried-Krenn-Weg, Gottfried Krenn (1895-1981), gelernter Mechaniker, Obmann des KGV Predigtstuhl 1950-1972, Ehrenobmann des KGV Predigtstuhl (1973); Krenn war gewerkschaftlich aktiv und bis 1934 Mitglied und Funktionär der Sozialdemokratie, dann Übertritt zur KPÖ, langjähriger Mitarbeiter in der Kleingarten- und Siedlerbewegung, Ehrenobmann des Zentralverbandes der Sozialrentner und Pensionisten Österreichs

Helscherweg, vermutlich zur Orientierung nach einem Familienmitglied der Familie Helscher, welche eingangs von der Eselstiege eine Parzelle gepachtet hatte

Karl-Prinz-Weg, Karl Prinz (1902-1971), Mitglied des Vereinsausschusses des KGV Predigtstuhl, erstmals erwähnt in der Generalversammlung am 22. März 1936 (Obstbaufachgruppe), 1952 scheidet er aus und wird Ehrenmitglied des Vereins

Karl-Wagner-Weg, Karl Wagner, Obmann des KGV Predigtstuhl 1946-1949

Hugo-Duenbostel-Weg, Hugo Anton Duenbostel (gest. 1954), Kassier des KGV Predigtstuhl (1946), Schriftführer (1951-1954)

Irma und Karl-Rathbauer-Weg, Karl Rathbauer (gest. 1934 an den Folgen einer Operation), ÖBB-Angestellter, Kriegsinvalider, Obmann des KGV Predigtstuhl 1933; seiner jüdischen Frau Irma Rathbauer wurde 1938 die Parzelle gekündigt. Ihre Spuren verlieren sich, vermutlich kam sie im Vernichtungsort Maly Trostinec ums Leben.

Josef-Sibor-Weg, Josef Sibor, Gruppenleiter des KGV Predigtstuhl (1960 erstmals genannt, in der Generalversammlung 1968 wurde ihm für seine langjährige Tätigkeit als Gruppenleiter Gruppe VI gedankt)

Markusweg, Adolf Markus (1938 - 2018), Vereinsmitglied mit besonderen Verdiensten

2-Schacht-Weg, öffentlicher Durchgang von der Franz-Glaser-Gasse zur Oberwiedenstraße

Quelle: 100 Jahre Kleingartenverein Predigtstuhl 1916-2016, Wien 2016 sowie betreffend Helscherweg Auskunft von Manfred Leber.